{"id":237,"date":"2016-08-29T12:11:12","date_gmt":"2016-08-29T11:11:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cunningham.cz\/de\/?p=237"},"modified":"2019-03-20T17:10:54","modified_gmt":"2019-03-20T16:10:54","slug":"leichtfertige-geldwaesche-durch-sog-paketagentenfinanzagenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cunningham.cz\/de\/leichtfertige-geldwaesche-durch-sog-paketagentenfinanzagenten\/","title":{"rendered":"Leichtfertige Geldw\u00e4sche durch sog. Paketagenten\/Finanzagenten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>URTEIL AUS DEM STRAFRECHT<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8211; Quelle: juris.de \u2013<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Corinna Reckmann, jurisPR-StrafR 16\/2016 Anm. 2 (Anmerkung)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(OLG Karlsruhe, Urteil vom 07. Juni 2016\u00a0\u2013 2 (5) Ss 156\/16, 2 (5) Ss 156\/16 &#8211; AK 53\/16\u00a0\u2013, juris) (Reckmann, jurisPR-StrafR 16\/2016 Anm. 2)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Leichtfertige Geldw\u00e4sche durch sog. Paketagenten\/Finanzagenten<\/strong><a href=\"https:\/\/www.juris.de\/jportal\/portal\/t\/qvt\/page\/jurisw.psml?pid=Dokumentanzeige&amp;showdoccase=1&amp;js_peid=Trefferliste&amp;fromdoctodoc=yes&amp;doc.id=KORE214502016&amp;doc.part=K&amp;doc.price=0.0#focuspoint\"><br \/>\nOLG Karlsruhe 2. Strafsenat, Urteil vom 07.06.2016 &#8211; 2 (5) Ss 156\/16 &#8211; AK 53\/16<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine Situation, die immer wieder aktuell ist und leider oft zu strafrechtlich relevantem Verhalten durch <strong>Leichtfertigkeit<\/strong> f\u00fchrt (typischer \u201e<strong>Paketagenten-Sachverhalt<\/strong>\u201c):<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei werden Arbeitsuchende z.B. \u00fcber Online-Jobb\u00f6rsen oder (h\u00e4ufig russischsprachige) Chatplattformen als sog. Paketagenten (auch \u201eWarenagenten\u201c, \u201eWarenmanager\u201c oder \u201eQualit\u00e4tsmanager f\u00fcr Zustelldienst\u201c genannt) angeworben und erhalten die Aufgabe, Pakete, die Ihnen zugesandt werden, zu dokumentieren, umzupacken, neu zu etikettieren und weiter zu versenden. Als Grund f\u00fcr dieses Vorgehen wird u.a. eine Portoersparnis vorgebracht. Die Angebote wirken auf den ersten Blick seri\u00f6s, da mit echt wirkenden Arbeitsvertr\u00e4gen oder professionell gestalteten Firmenlogos gearbeitet wird. Da die versprochene Verg\u00fctung bei 20 bis 40 Euro pro Paket liegt, erscheint diese Art von Nebenjob vielen Arbeitsuchenden als \u00e4u\u00dferst lukrativ.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Wahrheit handelt es sich bei dem Inhalt der Pakete jedoch um betr\u00fcgerisch erlangte Ware. So bestellen Kriminelle (meist Banden) beispielsweise unter falscher Identit\u00e4t (z.B. mit den f\u00fcr den \u201eArbeitsvertrag\u201c erworbenen Daten des \u201ePaketagenten\u201c) und mit widerrechtlich erlangten Kreditkartennummern Elektronikzubeh\u00f6r, Software oder auch Bekleidung bei Internetversandh\u00e4ndlern. Als Lieferadresse geben sie die Adresse des angeworbenen \u201ePaketagenten\u201c an, der die Waren dann \u2013 zun\u00e4chst nichtsahnend \u2013 an die Betr\u00fcger im Ausland weitersendet. Teilweise werden auch mehrere Paketagenten hintereinandergeschaltet, um den Weg der Warenzustellung noch besser zu verschleiern. Eine tats\u00e4chliche Verg\u00fctung der \u201ePaketagenten\u201c bleibt in den meisten F\u00e4llen aus, was sie nach einiger Zeit Verdacht sch\u00f6pfen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In dem zu verhandelnden Fall kam das OLG\u00a0Karlsruhe zu dem Schluss, dass sich angesichts dieser Umst\u00e4nde \u2013 insbesondere in ihrer Gesamtschau \u2013 die Herkunft der Paketsendungen aus Betrugstaten (objektiv) geradezu aufdr\u00e4ngen musste und der Schluss auf das individuell leichtfertige Handeln indiziert sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit anderen Worten: Die T\u00e4terin h\u00e4tte erkennen k\u00f6nnen und m\u00fcssen, dass sie in kriminelle Machenschaften involviert werden soll oder bereits ist. Daher folgte eine Bestrafung gem. \u00a7 261 Abs. 5 StGB (Strafgesetzbuch) \u2013 Link zum Gesetzestext: http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/261.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Kriterien, die zur Bestimmung der Leichtfertigkeit herangezogen werden, sind vor allem auf die \u00e4hnlich gelagerten \u201e<strong>Finanzagenten-F\u00e4lle<\/strong>\u201c zur\u00fcckzuf\u00fchren. Dabei werben Hinterm\u00e4nner sog. Finanzagenten an, die diesen gegen Entgelt eine eigene Kontoverbindung zu Verf\u00fcgung stellen. Die Hinterm\u00e4nner transferierten Gelder auf das Konto der \u201eFinanzagenten\u201c, und diese leiten sie auf \u2013 oft im Ausland befindliche \u2013 Kontoverbindungen weiter oder heben sie bar ab, um sie dann den Hinterm\u00e4nnern zu \u00fcberlassen. Die Gelder stammen jedoch von fremden Kontoverbindungen, deren Zugangsdaten und Passw\u00f6rter auf unlautere Weise von den Hinterm\u00e4nnern erlangt wurden (Floeth, NZWiSt 2015, 196, 196 f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Unser Tipp:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Sollten Sie gedenken auf ein lukratives Jobangebot (i.d.R. aus einem Zeitungsinserat) zu reagieren, das \u00c4hnlichkeiten zu den angesprochenen Fallvarianten aufweist, wenden Sie sich bitte umgehend an die n\u00e4chste Polizeidienststelle oder konsultieren Sie einen Rechtsanwalt und schildern Sie ihm Ihre Absicht und ggf. ihren Verdacht.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>URTEIL AUS DEM STRAFRECHT &#8211; Quelle: juris.de \u2013 Corinna Reckmann, jurisPR-StrafR 16\/2016 Anm. 2 (Anmerkung) (OLG Karlsruhe, Urteil vom 07. 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